Zukunft des Thüringenkolleg Weimar: Demonstration im Landtag und Kritik an „Neustrukturierung“

KollegiatInnen vom Thüringenkolleg Weimar demonstrieren in Erfurt vor dem Landtag gegen die Schließung der Schule
Demonstration gegen die Schließung des Thüringenkolleg Weimar in Erfurt vor dem Thüringer Landtag, Foto: Detlef Wagner

Heute am 13. März 2026, fuhren Kollegiat*innen des Thüringenkolleg Weimar nach Erfurt zum Thüringer Landtag, um dort für den Erhalt ihrer Schule zu demonstrieren. Anlass war die Sitzung des Ausschusses für Bildung, Wissenschaft und Kultur, in der über die Zukunft des Thüringenkollegs diskutiert wurde.

Der ursprünglich 7. Tagesordnungspunkt (Geplante Schließung des Thüringenkollegs Weimar Antrag der Fraktion Die Linke) zur Zukunft des Kollegs wurde vorgezogen. Zudem wurde die Sitzung für diesen Punkt für die Öffentlichkeit geöffnet, sodass auch die demonstrierenden Kollegiat*innen der Debatte im Ausschuss beiwohnen konnten.

Damit wurde ein Thema, das bislang vor allem hinter politischen Türen diskutiert wurde, plötzlich öffentlich sichtbar: Die Zukunft des letzten Kollegs in Thüringen. Zu Beginn der Sitzung sagte Bildungsminister Tischner, dass zu keinem Zeitpunkt die Rede von einer Schließung des Thüringenkolleg Weimar gewesen wäre. Er hatte allerdings einen Aufnahmestopp für das Thüringenkolleg Weimar verhängt und damit ein Zeichen gesetzt.

Was das Ministerium nach der Sitzung kommuniziert

Nach der Sitzung des Bildungsausschusses veröffentlichte das Bildungsministerium eine Mitteilung mit dem Titel:

„Neustrukturierung des Kollegs stärkt den zweiten Bildungsweg in Thüringen“.

Darin wird betont:

  • Das Kolleg soll formal als Schulart erhalten bleiben
  • der Aufnahmestopp ist vorerst vom Tisch
  • zum Schuljahr 2026/27 können letztmalig Kollegiat*innen am alten Standort aufgenommen werden
  • Alle derzeitigen Kollegiat*innen können Ihr Abitur am alten Standort beenden
  • Kollegiaten*innen sollen weiterhin rückzahlungsfreies, elternunabhängiges Schüler-BAföG erhalten können
  • Unterricht soll ab Schuljahr 2027/28 an beruflichen Gymnasien stattfinden
  • dort sollen Lehrer und Infrastruktur gemeinsam genutzt werden

Als Vorbild nennt das Ministerium ein Modell aus dem Saarland.

Auf den ersten Blick klingt das nach einer Reform, die den zweiten Bildungsweg sichern soll. Zu den genannten Punkten hat der Minister auf Nachfrage der Fraktion Die Linke allerdings keine konkreten Pläne, wie die Umsetzung erfolgen soll. Auch wurde bisher nicht mit allen beteiligten über die Umstrukturierung gesprochen. Die Vorsitzende des Bildungsausschusses Frau Große-Röthig von der Fraktion Die Linke bemerkte, dass die Staatlich Berufsbildende Schule, die SBBS in Weimar bereits aus allen Nähten platzen würde und wahrscheinlich nicht in der Lage sein wird die zusätzlichen Kollegiaten aufzunehmen.

Der Minister stellte den Plan als beschlossen dar, sagte aber im Gegenzug, es werde weitere Gespräche geben. So soll auch in der nächsten Sitzung des Bildungsausschusses am 30. April 2026 wieder darüber diskutiert werden.

Was diese „Neustrukturierung“ tatsächlich bedeutet

  • Das Thüringenkolleg Weimar soll als eigenständiger Standort auslaufen
  • Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen keine neuen Kollegiat*innen mehr am alten Standort aufgenommen werden
  • Die aktuell eingeschriebenen Kollegiat*innen können ihr Abitur noch abschließen 

Danach soll der zweite Bildungsweg in eine neue Struktur überführt werden.

Kritiker sprechen deshalb davon, dass das Kolleg faktisch abgeschafft wird.

Petition fordert Erhalt des Thüringenkollegs

Parallel zur politischen Debatte wurde eine Petition beim Thüringer Landtag gestartet.

Ziel der Petition ist es, den Erhalt des Kollegs als eigenständige Einrichtung des zweiten Bildungswegs zu sichern. 

👉 Hier Petition unterzeichnen:
https://petitionen.thueringer-landtag.de/petition/thueringenkolleg-erhalten-chancengleichheit-sichern/mitzeichnungen