Thüringenkolleg Weimar erhalten: Petition für den zweiten Bildungsweg

Die geplante Schließung des Thüringenkolleg Weimar, der letzten Einrichtung dieser Art für den zweiten Bildungsweg und zur Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife in Thüringen, sorgt derzeit für große öffentliche Diskussionen. Kollegiat*innen, Absolvent*innen, Lehrkräfte und Unterstützer*innen protestieren gegen die Entscheidung des Thüringer Bildungsministeriums.

Am 9. März versammelten sich über 40 Kollegiat*innen auf dem Theaterplatz in Weimar, um für den Erhalt des Kollegs zu kämpfen. Unterstützt wurden Sie auch von lokalen Politiker*innen.

Kritik an der Schließung: „Zweite Chance auf das Abitur“

Auch in der Presse wird die Entscheidung kritisch regional und sogar überregional diskutiert. Die Überschrift eines aktuellen Berichts bringt die Situation auf den Punkt:

„Schließung des Kollegs nimmt die zweite Chance auf das Abitur.“


Das Thüringenkolleg bietet Erwachsenen die Möglichkeit, auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur zu erwerben – oft Menschen, die aus verschiedenen Gründen keinen direkten Weg über das Gymnasium gehen konnten.

Viele Kollegiat*innen:

  • haben zuvor eine Ausbildung gemacht
  • kommen aus nicht-akademischen Familien
  • mussten früh arbeiten oder Verantwortung übernehmen

Für sie ist das Kolleg eine strukturierte und realistische Möglichkeit, später doch noch ein Studium aufzunehmen.

Petition beim Thüringer Landtag

Um den politischen Druck zu erhöhen, wurde eine Petition gestartet, die den Erhalt des Thüringenkollegs und damit des zweiten Bildungswegs in Thüringen fordert.

👉 Hier Petition unterschreiben:
https://petitionen.thueringer-landtag.de/petition/thueringenkolleg-erhalten-chancengleichheit-sichern/mitzeichnungen


Je mehr Menschen unterschreiben, desto größer ist die Chance, dass sich der Landtag mit dem Thema intensiv beschäftigen muss.

Es geht um Bildungsgerechtigkeit

Die Diskussion um das Thüringenkolleg ist mehr als eine Debatte über eine einzelne Schule.

Es geht um die grundlegende Frage:

Wie durchlässig soll unser Bildungssystem sein?

Der zweite Bildungsweg ermöglicht Menschen eine neue Chance – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und vor allem unabhängig von der finanziellen Situation.

Wenn diese Möglichkeit verschwindet, verlieren viele Menschen genau diese Chance.

Volkshochschule ist kein gleichwertiger Ersatz

Als Alternative wird häufig auf Volkshochschulen verwiesen. Doch dort unterscheidet sich der Weg zum Abitur deutlich:

  • Kurse sind oft berufsbegleitend
  • Teilnehmende müssen Gebühren zahlen
  • Prüfungen werden teilweise extern abgenommen

Das Kolleg dagegen bietet einen vollwertigen schulischen Bildungsweg mit staatlicher Förderung durch rückzahlungsfreies, elternunabhängiges Schüler-BaföG.

Warum das SBBS Weimar kein Ersatz für das Thüringenkolleg ist

In der Diskussion um die Schließung des Thüringenkollegs wird häufig argumentiert, dass es in Weimar mit dem Staatlichen Berufsbildenden Schulzentrum (SBBS) bereits andere Wege zum Abitur gibt.

Doch dieser Vergleich greift zu kurz.

Das Thüringenkolleg ist eine Schule des zweiten Bildungswegs, die sich speziell an Erwachsene richtet, die ihr Abitur (Allgemeine Hochschulreife) nachholen möchten. Viele Kollegiat*innen haben bereits eine Ausbildung abgeschlossen, arbeiten oder haben Familienverantwortung übernommen.

Das Kolleg bietet dafür einen klar strukturierten Weg:

  • Unterricht in festen Klassen
  • pädagogische Begleitung über mehrere Jahre
  • staatliche Förderung durch BAföG
  • eine Lernumgebung speziell für Erwachsene

Das SBBS hingegen gehört zum System der beruflichen Bildung. Die Wege zum Abitur dort sind an berufliche Bildungsgänge gekoppelt, etwa über Fachoberschule oder berufliches Gymnasium.

Das bedeutet:

  • Der Zugang ist anders geregelt
  • die Zielgruppe ist eine andere
  • der Bildungsweg ist stärker an berufliche Ausbildung gebunden
  • man schließt mit dem Fachabitur ab und nicht mit einer Allgemeinen Hochschulreife

Für viele Erwachsene, die ihr Abitur nachholen möchten, ist das Thüringenkolleg deshalb die passende und oft einzige realistische Möglichkeit.

Der zweite Bildungsweg ist kein Sonderfall – er ist ein wichtiger Bestandteil eines durchlässigen Bildungssystems.